
Magdalena Parys
Der Magier
aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein

Klappenbroschur, 560 Seiten, Format 13,5 x 21 cm
€ 22,00 inkl. MwSt.
ISBN 978-3-9505744-0-1
ISBN 978-3-9505744-2-5 E-Book
Leseprobe
Beschreibung
Berlin. Als Kommissar Kowalski die grausam zugerichtete Leiche in einem Neuköllner Abbruchhaus sieht, sagt ihm seine Intuition, dass dieser Fall ein harter Brocken werden wird. Seine Befürchtungen bewahrheiten sich. Vertuschungsversuche einflussreicher Politiker lassen Kowalski die Ermittlungen auf eigene Faust führen, die in ein düsteres Labyrinth der Vergangenheit reichen, hin zu einer Geheimdienstaktion, die in Bulgarien für das Verschwinden so mancher Oppositioneller sorgte. Die als Heranwachsende aus Wrocław nach West-Berlin gekommene Fernsehjournalistin Dagmara Bosch, erkennt schnell, dass der Neuköllner Fall in engem Zusammenhang mit dem mysteriösen Unglück steht, bei dem ihr Vater – ein engagierter Solidarność-Aktivist der ersten Stunde – während eines Bulgarienurlaubs 1980 ums Leben kam. Gemeinsam mit Kowalski sucht sie nach Antworten.
Aufregend wie der oscarprämierte Politthriller »Das Leben der Anderen«.
Stimmen zum Buch
»…ein großes emotionales Epos, das raussticht aus dem, was man unter Kriminalliteratur kennt. Ein breit aufgespanntes Panoptikum, eine mächtige europäische Geschichte die gleichzeitig aber auch tolle Unterhaltung zu bieten hat.« Ulrich Noller, WDR
»…der Band ist nahezu grausam brisant. Und aktuell.« Sylvia Treudl, Buchkultur
»…ein großartiges Beispiel polnischer Gegenwartsliteratur, die in Deutschland noch so selten zu finden ist…« Natalia Prüfer, Buch, czyli książka
»…Magdalena Parys gehört zu den herausragendsten Autoren der postkommunistischen Zeit…« Serge Raffy, L’Obs
»…die deutsch-polnische Schriftstellerin prangert im Stil eines Krimis Verbrechen der Geheimdienste in der DDR und Bruderländern an…« Nikolaus Weill, Le Monde
Textauszug
Alles, worüber er im letzten Jahr nachgedacht hatte, kehrte zu ihm zurück. Sicher hatte er in diesen Monaten das eine oder andere Problem gehabt, aber auch Erfolge verzeichnet. Die Geschäfte liefen ganz ordentlich, in der Partei gewann er neue Verbündete. Seit die Kinder zum Studium ins Ausland gefahren waren, schien auch seine Frau gelassener zu werden, zudem hatte er seit einigen Monaten eine neue Geliebte, Felicia. Auch wenn er diesen Gang der Dinge herbeigewünscht hatte, waren es dennoch nicht die bedeutendsten Ereignisse gewesen. Das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres war ohne Frage dieses gewesen: die Vernichtung von 5,8 Kilometern Akten in der Stasi-Unterlagen-Behörde im Februar. An die 20 Millionen Seiten A4. Gelöscht. Nicht mehr existent. Unwiderruflich.
Noch einmal legte er sich in Gedanken den Satz zurecht: 5,8 km, also fast 6 km Akten der Stasi-Unterlagen-Behörde wurden vernichtet.
Der größte Erfolg seines Lebens, der klügste Schachzug überhaupt. Schach und Matt – keine Akten mehr. Würde auch für solche Rollen des Lebens ein Oscar verliehen, er hätte ihn in allen Kategorien bekommen: Produktion, Drehbuch, Regie und Hauptrolle.
Übersetzer
Lothar Quinkenstein wurde 1967 in Bayreuth geboren. Er studierte Germanistik und Ethnologie in Freiburg im Breisgau. Er promovierte an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań, wo er 1999 – 2024 als Literaturwissenschaftler beschäftigt war. Seit 2017 ist er einer der Übersetzer von Olga Tokarczuk. Neben seiner übersetzerischen Arbeit ist er als Schriftsteller tätig. 2024 wurde ihm der Karl-Dedecius-Preis verliehen.
